22 Februar, 2020
Moralizing
Sicher, man kann gesittet leben.
Seine Frau nicht betrügen, keine verheirateten Freuen anbaggern, immer den Abwasch machen und jeden Tag staubsaugen, nett sein zu den anderen Menschen und sich morgens und abends die Zähne putzen.
Zu den guten Sitten in Europa gehört ausserdem, an der Supermarktkasse zu drängeln, niemanden in die eigene Fahrspur rein zu lassen, gucken, wo man 1 Euro oder Franken sparen kann und auszurasten wenn man dafür kritisiert wird ... JA ... ob ihrs glaubt oder nicht ... sogar die als friedlich verdächtigten Schweizer können ausrasten ... man muss sie nur an ihren Schwächen packen ... dann bröckelt recht schnell der Putz an der Vorzeigefassade.
Ihr merkt schon, im Moment gehen mir die Familien Bünzli und Otto Normalverbraucher ziemlich auf den Sack.
Manche Leute lesen Todesanzeigen ... das ist mir aber irgendwie zu endgültig ...
... ich lese lieber Kontaktanzeigen, das hat irgendwie mehr Zukunft.
Aber eben dort ... möchten die Mädels ... vor allem sollten die Männer "gepflegt" sein.
"Jesses Scheisse!" was heisst denn das?
Seine Haustiere pflegt man und den Rasen und das Auto!
Offenbar gehören Männer jetzt irgendwie auch in diese Kategorien ...
Am Ende ...
... und ich meine das richtige Ende, das endgültige Ende
... da zählt das, was Spass gemacht hat.
Ich stelle mir das immer ganz klassisch vor:
Ein mittelalterlicher Raum
irgendwo in einer Burg in Schottland
ein Himmelbett ... darin ich, als der Zusterbende
im Hintergrund ein offener Kamin der ein wenig Wärme spendet in den alten, klammen Gemäuern.
Um mich versammelt die Familie, die Hofschranzen und ein paar schreiende Kinder.
Meine Frau sitzt auf der Bettkante und hält meine Hand während ihr ehrliche Tränen über die Wangen rollen. Sie weiss, dass ich sie hunderte Male betrogen habe, fast genau so viele Bastarde gezeugt habe, aber trotzdem bleibe ich ihre grosse Liebe, nicht nur weil wir seit nun 45 Jahre verheiratet sind und 5 eheliche Kinder und 12 Enkel und 2 Urenkel haben, sondern auch weil wir uns über all dies verbunden blieben wie Freunde ...
Oh Shit ... sorry! Ich muss wohl beim Schreiben eingeschlafen sein.
Wo war ich ...
Ach ja, dass Männer gepflegt sein sollten ...
Meine Fingernägel sind sauber und geschnitten
Meine Haare getrimmt und meine Zähne ... ja! ... geputzt
Ich habe Humor und bin leidenschaftlich
Ich habe insgesamt 4 verschiedene Studien durchlaufen und bin in meinem Job ein Profi.
Ich kann - wenn auch nicht gern - gepflegte Konversation machen
... und dusche mindestens jeden 2. Tag
... alles andere aber, Mädels, das könnt ihr Euch abschminken.
17 Januar, 2020
Dying
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| "The Big Lebowski" * |
Wenn Mann in meinem Alter ist,
da kann es einen jeden Moment erwischen.
Den inneren Organen ist die jugendliche Plastizität schon seit einer Weile abhanden gekommen, dafür haben sie sich mit Plague und anderen wenig appetitlichen Ablagerungen überzogen.
Mann könnte sich nun Vorwürfe machen, nicht gesünder gelebt, weniger Junk Food gefressen, nicht so exzessiv geraucht und gesoffen und sonstigen Schabernack getrieben zu haben.
Mann könnte sich plötzlich wünschen sich hauptsächlich von Gemüse und Früchten ernährt zu haben, wenn man doch nur statt Whisky mehr Wachholderblütentee gesüffelt und die Pfoten von den Weibern hätte lassen können, jedenfalls von denen die nicht gut taten, dann könnte man noch ein paar gute Jährchen mehr auf dem Kreditkonto des Lebens haben. Sozusagen eine Gutschrift für tadelloses Betragen, einlösbar nach der, ursprünglich vom Grossen Programmierer geplanten, Deadline.
However ...... letzte Nacht träumte mir, ich sei gestorben.
Keine grosse Sache übrigens, es ist ein wenig wie eine Mischung aus einem mittelmässigem Orgasmus und einer wohldosierten Prise Pefferspray, die mir eine ziemlich hinreissende blonde Mitdreissigerin in einer Art langem, weissen Nachthemd verpasste, während wir beide in einem Lift fuhren.
Was mich für einen kurzen Moment irritierte, war, dass sie ein paar riesige goldene Flügel aus so einer Art Latexfolie hatte ... nicht, dass mich sowas stören würde … aber seltsam fand ich's schon.
Mit noch tränenden Augen fand ich mich in einer Bar wieder, vor mir, auf dem Tisch, stand eine halb volle Flasche "Four Roses" und ein fast leeres Glas. Dieser Anblick kam mir bekannt vor, war er doch schon öfter die Erklärung gewesen, für Situationen in denen ich irgendwo wieder zu mir kam.
So sass ich eine Weile benommen da, hörte Barry White zu, der seine Frau anflehte, die selbe Alte zu bleiben, die sie schon immer gewesen war, untermalt vom gedämpften Bollern von Billardkugeln auf Filz und den scharfen Klacks wenn sie sich berühren, es roch nach angebranntem Kafi, abgestandenem Bier, altem Urin und Parfum vom Discounter.
Es sassen ein paar Leute an Tischen, andere lümmelten am Tresen und dahinter die geflügelte Blondine, nur jetzt ohne Flügel.
Ich füllte, wie sich das gehört, das Glas 2 Finger breit mit Whisky, kippte ihn runter und ging zu ihr rüber.
Sie grinste mich an:
"Na Honey, geht's wieder?"
"Wo bin ich?"
"In der Shuttle Lounge … noch 'n Whisky?"
" … uuund was mach ich hier? … uuund wie bin ich hier hingekommen uuund ..."
" viele Fragen … mein Freund ... komplizierte Antworten … null Bock drauf! … also kein Whisky!?"
Sie drehte sich rum und ging weg.
"Ich will den Geschäftsführer sprechen! Sofort!!!" hörte ich mich ihr nachbrüllen.
Sie drehte sich um, musterte mich wie der Schweinezüchter ein Ferkel und formte tonlos mit den Lippen und rollenden Augen "Oh Gott" dann laut:
"Durch die blaue Tür da, dann die Treppe hoch … nicht zu verfehlen"
So runtergekommen die Kneipe war, so pompös war der Aufgang hinter der Türe, ein goldener Handlauf und ein Seidenteppich wanden sich in einem weichen s-förmigen Bogen nach oben.
Weit über mir riesige Dachfenster, mit Blick auf einen endlosen, klaren Himmel.
Schnaufend nahm ich die letzten Stufen, trat in einen einzigen lichtdurchfluteten Raum, hoch über einem dunkelgrünen Wald, unterbrochen von silbern schimmernden Seen und ganz weit hinten am Horizont blaue Berge mit schneegeweissten Gipfeln.
Der Raum, eine gigantische Halle, mit einem Boden aus tiefschwarzen Schieferplatten ... wie das Innere einer Kathedrale ... war fast leer, bis auf einen einzigen gleissendweissen Liegestuhl und einen purpurroten Sonnenschirm in der Mitte und einem ... kompletten Supermarkt, da wo eigentlich der Altar hingehören würde.
Dort stand ein Mann, zwischen den Regalen, in abgetragenem Bademantel und ausgetretenen Latschen mit einem Tetrapack in der Hand.
Ich ging näher. Als er mich kommen hörte, schaute er rüber und grinste:
"Ach Du bist es ... hey Mann, wie gehts?"
Jetzt wurde es echt crazy. Da stand doch tatsächlich Jeff Bridges, winkte mir mit der freien Hand, ich solle näher kommen.
"Sie ... äh ... Du ... bist Jeff Bridges? ... also ... äh ... der Dude? ... ich äh ... warum ... was ... weisst Du wo wir da sind !?" stammelte ich rum.
"Nein und .. ja_und_nein.. und überall."
Manchmal und in dem Moment besonders, bin ich ein wenig ... sagen wir mal ... kognitiv leicht unbedarft ... aber zum Glück meist nur eine Weile.
"Ich verstehe!"
Trotz seiner Sonnenbrille konnte ich sehen, dass er das bezweifelte.
"... und Du ... is Dude O.K.? ... wie kommst Du hier hin? Auch mit dem Lift und der Blonden und dem Pfefferspray? "
"Dude is total O.K. ... und ich war schon vor Gabriela hier ... hab sie erst vor ungefähr ... ... " … er stellte das Tetrapack ins Regal zurück und begann mithilfe seiner Finger was aus zu rechnen, dann murmelte er mehr zu sich selber:
" ... ... na, ja, müssen jetzt dann auch schon so bummelig drei Millionen Jahre sein?! ... doch schon `ne ganze Weile ... mhhh ... dass ich sie eingestellt hab."
Wieder mir zugewendet:
"Als Türsteher zuerst ... war'n wilde Zeiten damals ... da war sie auch noch keine Frau ... und blond übrigens auch nich ... und statt dem Pfefferspray hatte sie so'n flammendes SchwertDingsbums"
" ... wie Luke Skywalker?" warf ich ein.
Nachdem er mich einen Moment mitleidig angeschaut hatte sagte er gnädig und etwas herablassend "jaaa, so in Etwa ... “
In diesem Moment wurde mir etwas klar:
"Ich bin tot, oder?"
Er legte den Kopf zur Seite, tippte sich mit dem Zeigefinger an die Nasenspitze
"Also genau genommen, nicht, du bist nur vorm Fernseher eingepennt und träumst."
Diesmal arbeitete mein Hirn, das vermutlich ebenso froh war wie ich, nicht tot zu sein, blitzschnell.
"Oh mein Gott !!! ... äh ... Du bist Gott, oder?"
"Ich dachte wir hatten uns auf 'Dude' geeinigt !?, … aber, ja, das bin ich wohl"
"Ja, gut ... also Dude!"
Mir wurde ziemlich deutlich nach einem Whiskey zumute.
"Also ich ... "
Gott ... ähm ... `Der Dude` ... grinste mich an, als habe er grad meine Gedanken gelesen.
" 'Wild Turkey` richtig?" fragte er.
"Verdammt ... äh sorry ... sehr gern!"
Er machte eine Handbewegung wie Obi-Wan Kenobi als er zu dem Stormtrooper sagt:
"These aren't the droids you're looking for."
An seinem Arm baumelt unvermittelt ein Einkaufskorb in diesem etwas unentschiedenen Orange, wie die Migros sie benutzt, darin alles für einen "White Russians" und eine Flasche von meinem Lieblingswhisky.
Gleichzeitig hörte ich hinter mir ein leises Rumpeln. Als ich mich umdrehte, standen dort, wo vorher nur ein Liegestuhl und der rote Sonnenschirm gestanden hatten, nun je zwei und dazwischen ein Bartischchen, mit zwei Gläsern drauf an einem langgestreckten Sandstrand in einer palmengesäumten Bucht, davor lag ein grüner Ocean. Der Supermarkt, der gesamte Raum war verschwunden und ein warmer, unaufdringlich nach Vanille und Ingwer duftender Wind wehte mit der Brandung heran.
"Is wohl nicht so übel, Gott zu sei, oder?" rutsche mir raus
"Deswegen hab ich den Job anfangs auch angenommen, wirklich cool, wenn man überall hin kommt… dazu noch absolut klimaneutral" nickte der Dude und nach einen tiefen Seufzer und einer kurzen Pause: "… aber dann … die Verantwortung ist doch … sagen wir mal … recht umfassend … ich schlafe schlecht … seit ein paar tausend Jahren … es wäre wohl Zeit für mich … etwas kürzer zu treten … … Ist der Wind angenehm so?"
"Ja … der Wind ist prima. Oder vielleicht, könntest Du den Vanilleduft rausnehmen … ich bekomme manchmal Migräne von Düften …. und, aber … Du könntest doch einfach ...ähm... herzaubern, dass Du wieder gut schläfst!?"
Der Dude lächelte fein: "Ich kann alles 'herzaubern' was ich will ... " dabei machte er eine ausladende Geste über den Ocean, "... aber was ich nicht ändern kann ist mich selber … “
"Weisst Du!?" wandte er sich wieder mir zu "Bis vor so ungefähr 12.000 Jahren hat der Job echt Spass gemacht, die Welt war im Gleichgewicht uns Eins lebte aus dem Anderen … denn eigentlich ist ja alles gemeinsam nur ein einziger grosser Organismus in dem alles Sein seinen Platz, seine Funktion und gleichwertige Berechtigung hat.
Als dann die Menschen sesshaft wurden, begannen Häuser und Felder zu bauen, zuerst für schlechte Zeiten, dann aus Machthunger und Ehrgeiz so viel wie möglich zusammen zu raffen .. da war es vorbei mit Lustig."
Ich holte tief Luft um zu antworten … ohne eigentlich zu wissen was.
"Richtig!" sagte der Dude "Da gibt's nicht dazu zu sagen … so sind sie halt, die Menschen"
Ich nickte … wer war ich schon, dem Dude zu widersprechen … ausserdem stimmte es!
“Aber … warum bin ich hier?” zwang mich mein unendlicher Zwang, alles zu ergründen, dann doch zu fragen.
“Komm Mann, setzen wir uns erst mal” während er auf die Liegestühle zeigt forderte er mich auf.
Er mixte sich mit einem Fingerschnippsen einen “White Russian” und gleichzeitig füllte sich mein Glas - wie sich das gehörte- 2 Finger breit mit “Wild Turkey”.
Der Dude nahm einen lange Schluck, saugte sich die Tröpfchen aus dem Bart, lehnte sich zurück und hob den linken Zeigefinger.
“Also … warum Du hier bist …?!”
“ …. …. “
“Warte” unterbrach er meinen Redeansatz.
“Ich hab Dich lange beobachtet … nimms nicht persönlich! … und ich wills mal mit den Worten einer gemeinsamen Freundin sagen … `Du bist seltsam … aber Du hast ein Herz`
… und ich möchte das Alles hier jemandem übergeben! Jemandem, der sein eigenes Ding macht und sich nicht in die Suppe spucken lässt. Verstehst Du?”
“ …. ähm, ich …. “
“Warte” unterbrach er mich wieder.
“Scheisse, nein, Herr Gott” fluchte ich los "… äh Scheisse … äh … sorry! Du willst, dass ich Deinen verdammten Job übernehme??! … … hast Du sie noch alle??!”
“Ganz ruhig Mann” sagte der Dude … nahm einen weiteren Schluck “White Russian”
“... Ich mag Dein Temperament … aber jetzt hör mal zu! … ich würde Dich einarbeiten … und Du könntest erstmal mein Assistent sein … …. “
“ICH ?? … der Assistent von Gott ???? … vielleicht solltest Du mal aufhören diesen Scheiss da zu saufen … Alter … echt jez!”
“Denk mal drüber nach” sagte der Dude und saugte wieder den “White Russian aus seinem Bart.
“Unsterblichkeit, so viel Whiskey wie Du magst, eine unkaputtbare Leber, die schönsten Frauen, Ferien an jedem Ort der Welt, unkündbar, unaussprechliche Macht … und Du könntest alle Kriege beenden und die Klimakatastrophe verhindern, das Arten- und Waldsterben und den Hunger und die Diktaturen, den Kapitalismus … mit einem Fingerschnips beenden … schon lange Dein Traum, nicht wahr?! … Du könntest Trump, Orban, Johnson, Xi Jinping und Gauland in die Hölle verbannen … mit dem Teufel hab ich schon gewhatsapped … er nimmt sie nicht wirklich gern, aber er nimmt sie!
Du könntest wieder 20 sein und Greta Thunberg heiraten … wenn Du auf Zöpfchen stehst … oder Mila Kunis … na, ja … egal auf was Du stehst … sie ist echt nicht übel … das nur am Rande …
Du könntest wieder 20 sein und Greta Thunberg heiraten … wenn Du auf Zöpfchen stehst … oder Mila Kunis … na, ja … egal auf was Du stehst … sie ist echt nicht übel … das nur am Rande …
Was meinst Du … verlockend … oder?!”
Ich setze mich in meinem Liegestuhl auf, stellte meinen Kentucky Straight Bourbon beiseite … was ich sonst nie täte!!! niemals! … und schaute Gott fadengrade in die Augen.
“Meine Meinung, Sir, ist, dass sie ein verdammter Hosenscheisser sind und sich zu drücken versuchen, vor Ihrer Verantwortung, Sir. Meine Antwort ist ein einfaches “Fuck You!”
“Bravo!!” hörte ich ihn noch sagen … bevor ich mit der blonden Mitdreissigerin und ihren Latexflügeln wieder Lift fuhr … diesmal in die andere Richtung "... nicht so übel für ... einen Menschen" sagte sie zum Abschied. … während ich schweissgebadet erwachte, mit diesem unverwechselbaren holzigen Nachgeschmack von Whiskey auf der Zunge ...
… und auf meinem Nachttisch stand noch eine halb leere Flasche von dem billigen Fusel aus der Landi.
* ist eine Filmkomödie aus dem Jahr 1998 von Ethan und Joel Coen mit Jeff Bridges in der Hauptrolle.
08 November, 2019
Spamming
Ein gewisser Armin Kurver* veröffentlichte im hiesigen SchweizerKäseblättchen, in seiner Kolumne, die er scheinbar für sehr witzig hält, einen Artikel, der im beschwingten Ton startet und dann, nach dem Griff in die “Haben-wir-alle-gelacht-Mottenkiste”, zum ernsthaften Schluss kam, dass ein Angestellter, der ein wenig saumseelig beim Lesen und Beantworten seiner Mails ist und, darauf angesprochenen und kritisiert wurde, die Ausrede benutzte, da sei wohl was im Spamordner gestrandet. Eigentlich, so meint Herr Kurver, habe Jedermann doch die Pflicht regelmässig ebendiesen Ordner zu checken.
Ich glaubs ja nicht … !!!
… nur weil irgendwelche faulen Penner diese bescheuerte Ausrede benutzen, soll nun der Rest der Welt täglich im digitalen Müll wühlen? Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
"Ficken sie sich in's Knie, Herr Kurver!"
Oder … vielleicht fangen wir diese Geschichte doch etwas freundlicher und woanders an.
Bevor ich eventuell noch ausfallend werde!
Bevor ich eventuell noch ausfallend werde!
Also, erstmal tief durchatmen!
Meine Grosseltern wurden alle so zwischen 1902 und 1910 geboren und erzählten mir von ihrer Kindheit. Es ist etwas völlig anderes, wenn Oma und Opa sich erinnern und erzählen und lachen, schmunzeln oder weinen oder gar drohend den Zeigefinger erheben, als wenn man das nur in einem Buch liest oder im Fernsehen sieht.
So erzählten sie mir von ihren Eltern, also meinen Urgrosseltern und ihren Geschwistern und den Tieren, mit denen sie lebten. Sie erzählten von den Dörfern in denen sie wohnten, die sie verliessen um sich woanders anzusiedeln, weil es dort besser bezahlte Arbeit gab oder weil sie dorthin heirateten. Reisegeschichten und solche mit Tieren mochte ich am liebsten.
Die Geschichte vom Urgrossvater, zum Beispiel, der so im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, eine kranke Kuh, die eine Darmverschlingung hatte und seit Tagen weder frass noch kackte und zu sterben drohte, zum Tierarzt führen wollte, ins Nachbardorf, bei strömendem Regen, wie sie durch den Bach, der angeschwollen war, waten mussten, weil es keine Brücke gab und wie die Kuh es mit der Angst bekam und bockte, am einen Ende des Seiles riss, während mein Urgrossvater am anderen Ende zerrte und wütend wurde und dann versuchte das Vieh mit der Schulter zu schubsen und wie die Kuh noch mehr sich sträubte und hin und her sprang und letztlich mit dem Huf in einen der weiten Stiefel des Urgrossvater hineintrat. Der Stiefel war nun gut gefüllt mit Männer- und Kuhbein, so dass beide feststecken darin.
Das hatte sehr weh getan, der Huf der Kuh auf dem Fuss des Mannes und die Kuh habe ja auch nicht still gestanden, sondern sei weiterhin herumgehüpft mitsamt dem Stiefel und dem Fuss und dem Urgrossvater daran.
Vor Schmerz und Verzweiflung hatte der dann angefangen zu schreien und auf die Kuh einzuschlagen, mit den Fäusten, wo er eben so hingelangen konnte und da er nun mal mit dem Stiefel an das Luder seitlich gefesselt war, hauptsächlich auf dessen Bauch. Dies Gerangel und Geboxe und Gehüpfe sei so wohl eine Weile weiter gegangen, bis mein Urgrossvater durch sein eigenes Geschrei hindurch und trotz des rauschenden Baches und trotz des strömenden Regens ein lautes Poltern im Bauch des Rindviehs hörte.
Irgendwie habe das Tier dann versucht ihn zu beissen oder mit den Hörnern zu stoßen, jedenfalls wendete es den Kopf so ihm zu, dass der malträtierte Mann ihr einen saftigen Schlag auf die Nase geben konnte. Dieser Schlag liess die Kuh vor Schmerz hochspringen, und dabei rutsche endlich der Kuh- vom Menschenfuss und aus dem Stiefel raus.
An die Kuh gelehnt humpelte mein Urgrossvater wieder heim, denn als altgedienter Bauer wusste er, dass das Poltern im Bauch der Kuh bedeutete, dass deren Darmverschlingung sich durch seine Schläge gelöst hatte und ebenso wusste er, dass sein Fuss dringend verpflegt werden musste.
Zurück zu Herrn Kurver.
Für meinen Vorschlag, mit seinem eigenen Kniegelenk Geschlechtsverkehr zu haben, möchte ich mich ernsthaft entschuldigen! Wirklich! … manchmal bin ich etwas aufbrausend … das Temperament hab ich wohl von meinem Urgrossvater geerbt.
Allerdings hätte ich da einen anderen Vorschlag für Herrn Kurver, falls seine Hirnverschlingung sich nicht lösen sollte, wüsste ich da eine probate und in unser Familie lang erprobte Behandlung.
Schönen Tag noch!
… und bitte lasst den Spam im Spamordner, das Leben ist auch so schon viehisch genug.
*Name leicht geändert
01 November, 2019
Smelling
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| Licht und Luft gaukeln uns eine Welt vor, die letztlich nur aus Atomen und Schwingungen besteht, der Rest ist unsere Interpretation. |
Mit dem beginnenden Alter lassen die Sinne nach.
Neulichs war ich bei meiner Augenärztin, die mich einerseits mit ihrer, ständig von einem Knöpfchen zu wenig zugehaltenen, Bluse und der zackigen Anweisung “jetzt bitte nach unten gucken” andererseits mit dem Ergebnis des Sehtests durcheinander brachte.
So brauche ich mal wieder eine neue Brille.
Gestern also dann beim Optiker rein.
Die Lady, die mich bediente, war ordentlich zugeknöpft, ebenso in der Begegnung mit mir.
Sie versuchte immer mal wieder zu lächeln, während sie mich zutextete, das erinnerte mich jedoch eher an einen Haifisch, als an etwas Menschliches. Ausserdem stank sie so dermassen nach Parfum, dass ich erst Kopfschmerzen und dann ein regelrechtes Bohren hinter den Augen bekam.
Denn es gibt zwei Dinge, die anderen Menschen nichts oder wenig ausmachen, bei mir aber verheerend sein können. Das Eine ist vorgetäuschte Freundlichkeit und das Andere aufdringliche und künstliche Gerüche.*
Sie hatte beides.
Sie hatte beides.
Ich unterbrach ihren Redeschwall, verabschiedete mich ein wenig hastig und rannte draussen genau in Nina, eine alte Bekannte, rein. Ich hätte sie fast nicht erkannt … eben ... wirklich! … ich brauch dringend `ne neue Brille.
Nina ist voll öko und riecht nie nach Parfum, eher nach Ziege, gutem Dung und frischer Milch, denn seit ein paar Jahren lebt sie auf einem Hof.
Ausserdem ist sie nie freundlich, wenn es keinen Grund dazu gibt.
So war ich glücklich, grad sie zu treffen und umarmte sie herzlich.
Ausserdem ist sie nie freundlich, wenn es keinen Grund dazu gibt.
So war ich glücklich, grad sie zu treffen und umarmte sie herzlich.
Hinter ihr rage ihr Freund auf, der gefühlte 80 cm grösser ist als ich und das gleiche Raubfischgrinsen zeigte wie das der Optikerin der ich grad entkommen war.
Durch den lieblichen Landduft hindurch roch ich etwas anderes, was mich von ihm her anwehte. Eine Mischung aus frischem Blut und rostigem Metall.
Er gab mir die Hand, die sich anfühlte wie ein seit 3 Tagen totes Ferkel und fragte mich dies und das Belangloses und grinste weiter mit gefletschten Zähnen.
Nina und ich hatten keine Chance ein paar Worte zu wechseln, denn er drängte zum Aufbruch
“Wir müssen noch fürs ganze Wochenende einkaufen” kramte er hastig eine Erklärung hervor … auch einer von denen, die ein Mal pro Woche in der Angst leben, bis Montag zu verhungern.
“Wir müssen noch fürs ganze Wochenende einkaufen” kramte er hastig eine Erklärung hervor … auch einer von denen, die ein Mal pro Woche in der Angst leben, bis Montag zu verhungern.
Nina und ich tauschten noch einen Blick “Ein anderes Mal” sagte sie zum Abschied …
“Ja gern!”
Der Duft nach Landleben verblasste, was noch einen Moment blieb, war sein Mief von abgestandener Eifersucht.
Der Duft nach Landleben verblasste, was noch einen Moment blieb, war sein Mief von abgestandener Eifersucht.
Ich hatte plötzlich das Bild von alten rostigen, blutverschmierten Messern und Schwertern.
Das scheint nun auf den ersten Blick vielleicht ein wenig sinnlos, kapriziös oder gar durchgedreht. Aber allen die jetzt grinsend nicken, möchte ich zu bedenken geben, dass, das nächste Mal wenn mir jemand begegnet, der eifersüchtig ist, ich wieder Blut und Eisen riechen werde.
Wenn ich meine Lebenslinie so anschaue, dann ist klar, dass ich dem Ende näher bin als dem Anfang … egal wie gesund ich mich ernähre, wie wenig ich saufe und mein Jing zusammenhalte, kann ich meiner unausweichlichen Auflösung in der grossen Matrix, bestenfalls noch ein paar zusätzliche Jährchen abknapsen.
Ebenso klar ist, dass die Fähigkeit, komplexe Situationen angemessen wahr zu nehmen und einigermassen korrekt auf sie zu reagieren in den kommenden Jahren abnehmen wird.
Wie alle Sinne lässt auch der Geruchssinn im Alter nach … oder besser gesagt, er verändert sich.
Durch die weniger intensive Wahrnehmung von aussen, produziert er offenbar ... bei mir ... Gerüche die von innen kommen … also macht Reaktionen auf ganz andere als auf reale Geruchseindrücke.
Was soll er sonst auch tun, wenn er mangels äusserer Reize beginnt sich zu langweilen.
Sinne, die nicht mehr so recht zu brauchen sind, suchen sich ein neues, sinnvoll einsetzbares Aktionsfeld.
Während mein schwächelnder Geruchssinn selber Gerüche generiert bastelt meine Unterbewusstsein daraus Bilder und zeigt mir diese dann wieder wenn ich in eine ähnliche Situation gerate und mal nicht schnalle, was da eigentlich grad passiert.
Irgendwie wie eine interne Unterstützte Kommunikation.
Was soll er sonst auch tun, wenn er mangels äusserer Reize beginnt sich zu langweilen.
Sinne, die nicht mehr so recht zu brauchen sind, suchen sich ein neues, sinnvoll einsetzbares Aktionsfeld.
Während mein schwächelnder Geruchssinn selber Gerüche generiert bastelt meine Unterbewusstsein daraus Bilder und zeigt mir diese dann wieder wenn ich in eine ähnliche Situation gerate und mal nicht schnalle, was da eigentlich grad passiert.
Irgendwie wie eine interne Unterstützte Kommunikation.
So sehr sind also Geist und Körper miteinander verwoben.
Natürlich riecht heutzutage niemand mehr wirklich nach Meuchelmord, Schlachtfeld oder Henker, aber offenbar assoziiert mein Hirn bestimmte, sagen wir mal befremdliche Verhaltensweisen mit spezifische archaischen Gerüchen.
So baut mein Hirn dem körperlichen Abbau vor, macht sich auf eine etwas seltsam-überirdische Weise bereit für die mageren, introvertierten Zeiten.
Yeeeeeha … auf in ein seltsames und lustiges Altwerden.
"Körper und Geist
sind eng
miteinander verbunden,
sie stehen in
ständigem Austausch
miteinander."
Ein westlicher Arzt, der eng mit dem
“Zentrum für traditionelle tibetische Medizin”
“Zentrum für traditionelle tibetische Medizin”
zusammenarbeitet.
ARTE 24.10.`19 / Doku der Reihe:
360° Die Geo-Reportage
Episodenname: Tibetische Medizin
* ach ja, und unterirdische Räume!
geschrieben 31.10. `19 in einem Wartezimmer, gepostet nach langen, fruchtlosen Überlegungen 02. Nov. 2019
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